Die Kulturform des Moritatensingens oder auch des Bänkelgesangs, wie wir diese betreiben, fand ihren Ursprung in Simbach in den 1870er Jahren, als sich auch der Fasching in Simbach zu organisieren begann. Geprägt und ausgerichtet wurde diese Form ausschließlich auf die jährlichen, in der Faschingszeit gepflegten Aktivitäten. Über viele Generationen hinweg entwickelte sich diese Tradition, die auch heute noch bzw. wieder gepflegt wird. Die Weitergabe der erworbenen Standards veränderten sich trotz zweier Kriege im vorigen Jahrhundert nicht und konnten immer mehrmals neu belebt und weitergegeben werden. Immer wieder neu formierten sich dafür auch die Sänger. Während über viele Jahrzehnte hinweg das Vortragen der Texte auf großen bemalten Schautafeln und verbal mit einem Art Sprechgesang erfolgte, werden die Texte seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts mittels eines in Versform gesungenen Liedes, dem sogenannten "Mariechenlied" vorgetragen. Noch vorhandene Texte aus dieser Zeit belegen diese Art des Moritatensingens. Während in dieser Zeit das Singen nur auf den engeren Marktbereich in Simbach beschränkt war, erweiterte man das Repertoire im Zeitraum der letzten dreißig Jahre auf den gesamten Marktbereich und dessen Umgebung. Das Anfertigen der Verse ist jedes Jahr eine große Herausforderung für alle Sänger, da für rund 65 Gesangsstationen etwa 180 - 190 Verse neu angefertigt werden müssen. Oberste Priorität beim Verfassen der Verse ist jedoch immer das Vermeiden beleidigender Texte und solchen die, die betreffenden Personen bloßstellen oder diffamieren könnten. Zusammengefasst bedeutet dies: die besungenen Personen sollen das Thema lustig finden und auch selbst darüber lachen können. Zirka 32 Sänger und zwei bis vier Musiker sind bei den Auftritten in der Faschingszeit unterwegs.
Beginnend am Unsinnigen Donnerstag wird mit zwei Gesanggruppen zu je acht Sängern plus je einen Musiker mit zwei Kleinbussen gestartet, um die außerhalb des Marktbereichs gelegenen Stationen zu erreichen. Am Rosenmontag beginnt frühmorgens gegen 06:30 Uhr, beim 1.Bürgermeister von Simbach die Tour. Zwei Gruppen zu je 15 Sänger plus je einem Musiker ziehen anschließend zu Fuß und mit einem "Moritatenwagerl", das für die Verpflegung und Spenden gebraucht wird, zu den jeweiligen Stationen durch den Markt Simbach. Der Obolus bzw. die Spenden, die hierbei eingesammelt werden, kommen zu 100 % der Jugendabteilung des FC-DJK Simbach zugute. Seit mehreren Jahren bestreiten die Moritatensänger auch außerhalb der Faschingssaison, wie gesellschaftlichen Feiern und Festen Auftritte. Als besonderes Highlight gilt das Vortragen unserer sogenannten "Moritatenhymne". Dieses Lied "Gefangenenchor" aus der Oper Nabucco von Giuseppe Verdi wurde von unserem 1. Musiker Klaus Schall, textlich überarbeitet und wird seither zum Abschluss jeden Vortrages gesungen. Zu Zeit liegt die Alterspanne der Sänger und Musiker zwischen 25 und 80 Jahren, der Altersdurchschnitt liegt somit bei 47 Jahren. Die Erhaltung, Pflege und die Weitergabe des Brauches, wird durch regelmäßige Aufnahme junger Sänger sichergestellt und gewährleistet.
