Zu den ältesten und beliebtesten Faschingsbräuchen gehört in Vergangenheit und Gegenwart zweifelsohne das Moritatensingen. Bereits in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts zählte in Simbach das Moritatensingen zu den Faschingshöhepunkten. Damals war der Bänkelgesang, wie er auch genannt wird, nicht nur Bestandteil des Rosenmontags, sondern man sang die sogenannten Knüppelreime und Verse auch auf Faschingsbällen und -kränzchen.
Bereits in Zeiten vor dem Krieg zogen die Bänkelsänger am Rosenmontag in den Vormittagstunden große Schautafeln mit einem einfachen Handkarren von Haus zu Haus. Diese gestaltete und malte der damalige Schreiner, Maler und Künstler, Thanner Moritz. Die Moritatensänger trugen wie heute bei ihrem Umzug Zylinder und Frack oder einen Gehrock und ggf. auch eine Fliege. Den Obolus, den die Sänger erhielten war in der damaligen Zeit sehr bescheiden und man begnügte sich mit Naturalien wie Brezen und Würsten.
Nach dem Krieg, ab den 50ger Jahren, wurde das Moritatensingen wieder aufgenommen. Damals allerdings noch mit einem Art Sprechgesang, den abwechselnd der Vorsänger und die übrigen Sänger sangen.
Beispiel: Vorsänger: Is des net der Willis Heini? - Alle: Ja, des is da Willis Heini...! Vorsänger: Fährt der net in Straßgrab´n eini? - Alle: Ja, der fährt in Straßgrab´n eini! - Willis Heini, Straßgrab´n eini...!!!
Ab Ende der 60er Jahren (1968) singen die Moritatensänger Verse nach einer Melodie, so wie wir sie heute kennen, dem sogenannten "Mariechen-Lied".
Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts, schlief dieser schöne alte Brauch ein. Erst 1995 belebten Vereinsfunktionäre des FC-Simbach diesen wieder und sind seither jedes Jahr am Rosenmontag, seit einigen Jahren auch am Unsinnigen Donnerstag gesangsmäßig unterwegs um dieses Brauchtum und Kulturgut zu pflegen. Um den Obolus bzw. die Spenden stillecht einzusammeln, wurde ein als Mönch verkleideter Sänger mit einem Klingelbeutel in die Sängertruppe integriert.
2009 erwerben dreizehn Personen dieser Moritatensänger ein „Vereinsheim“ und gründen kurz darauf einen eingetragenen Verein, der sich fortan „Bänkelsänger „Rote Goaß“ e.V.“ nennt.
Seit nunmehr über drei Jahrzehnten stellt dieses, 1995 wiederbelebte Moritatensingen das mittlerweile eine Institution in Simbach geworden ist, eine Bereicherung für den Rosenmontag und somit für das gesamte Faschingsgeschehen im Markt Simbach dar.
